31.12.2012  Schönheide gewinnt Derbykrimi in Chemnitz

Das gestrige Derby zwischen den Wild Boys Chemnitz und dem EHV Schönheide 09 wird wohl noch lange für reichlich Gesprächsstoff sorgen, wenn nicht sogar in die Derbygeschichtsbücher beider Vereine eingehen. Knapp 800 Zuschauer im Chemnitzer Küchwaldstadion, darunter gut 200 Wölfefans, wurden Augenzeugen eines spannenden, nervenaufreibenden und denkwürdigen Derbykrimis, welchen die Wölfe am Ende mit 5:3 (0:1, 2:1, 3:1) für sich entscheiden konnten.

 

Es braucht schon eine gehörige Portion Konzentration des Schreiberlings, um die Geschehnisse am Sonntag in Chemnitz lückenlos wiederzugeben. Begonnen hatte Alles mit langen Warteschlangen an dem zwischenzeitlich mit nur einer Kassiererin besetztem Ticketstand und dem verspäteten Anspiel, da während der Erwärmung eine Plexiglastafel zu Bruch gegangen war. Ob da schon dem einen oder anderen Besucher im Kopf schwante, was in den folgenden knapp drei Stunden noch alles passieren sollte? Wohl kaum, denn als kurz vor 19:00 Uhr das dritte Saisonderby zwischen Chemnitz und Schönheide angepfiffen wurde, sahen die Fans beider Lager zunächst ein ausgeglichenes Spiel ohne größere Highlights. Es dauerte bis zur 15. Spielminute, ehe der erste Torjubel aufkam und den hatten die Hausherren auf den Lippen, als Georg Albrecht in Überzahl die Wild Boys mit 1:0 in Führung brachte. Bis zur ersten Pause erspielten sich die wilden Jungs dann auch ein leichtes Übergewicht, konnten jedoch aus den sich bietenden Chancen kein weiteres Kapital schlagen.

 

Dies sollte sich im zweiten Drittel relativ schnell ändern, als Michal Vymazal eine unübersichtliche Situation vor dem Wölfetor gedankenschnell zum 2:0 (22.) für die Chemnitzer ausnutzte. Dieser Gegentreffer schien wie ein Weckruf auf die Wölfe zu wirken, denn nach und nach übernahmen nun die Gäste das Kommando auf dem Eis und kamen in Überzahl durch David Seidl zum längst fälligen 2:1 (30.). Der EHV 09 machte weiter mächtig Druck und kam zu einigen guten Chancen. Zunächst blieben die Wölfe bei einem Penalty von Kevin Geier noch glücklos, doch in der 36. Minute war EHV-Kapitän Miroslav Jenka zur Stelle und erzielte den mittlerweile verdienten 2:2-Ausgleich. Dieser Gegentreffer brachte den Chemnitzer Spieler Florian Brenninger so sehr auf die Palme, dass dieser sich wegen unsportlichen Verhaltens und Reklamierens gleich zwei Zehn-Minuten-Strafen am Stück einhandelte und somit vorzeitig unter die Dusche durfte.

 

Der Schlussabschnitt begann also wieder bei null und erneut mit dem Vorteil für die Wild Boys, welche ein Powerplay nutzten, um durch Tobias Rentzsch mit 3:2 (44.) in Führung zu gehen. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, da auch die Wölfe weiter munter mitspielten und durch eine sehenswerte Einzelaktion von Petr Kukla zum 3:3 (50.) ausglichen. Der Ausgleich beflügelte die Gäste sichtlich, welche es aber in der Folge versäumten, durch zwei hundertprozentige Torchancen erstmals in Führung zu gehen. In der 54. Minute jubelten dann doch die Wölfe über einen Treffer von Kevin Geier, welchem aber zunächst die Anerkennung verweigert wurde. Das Spiel wurde ohne Unterbrechung nahtlos fortgeführt und im direkten Gegenzug gelang den Wild Boys durch Michal Vymazal ebenfalls ein Tor. Diese Szene löste sofort heftige Diskussionen auf dem Eis aus, denn sowohl Schönheide als auch Chemnitz beanspruchten den vierten Treffer, so dass sich das Schiedsrichtergespann erst einmal zur Beratung in seine Zone zurückziehen musste. Es kann wohl nicht endgültig geklärt werden und auch wenn es die Wild Boys nicht wahrhaben wollten, die Tatsachenentscheidung des Hauptschiedsrichters stand, das Tor wurde im Nachhinein regelkonform den Wölfen zugesprochen, da der Schuss von Kevin Geier nach Ansicht der Unparteiischen deutlich hinter der Torlinie war. Des einen Glück, des anderen Frust, denn die Chemnitzer hatten nun das sprichwörtliche “Messer zwischen den Zähnen“ und drängten mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch auf den Ausgleich. Allerdings übertrieb es Wild Boy Michal Vymazal gänzlich, als er dem herausgeeilten EHV-Goalie Sebastian Modes im Laufduell die Beine wegzog, dieser sich beim Sturz in die Bande schwer verletzte und zur Untersuchung ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Für diese unsportliche Aktion bekam Vymazal eine Spieldauerstrafe und die Wölfe hätten die restlichen gut fünf Minuten mit einem Mann mehr von der Uhr spielen können. Doch die Hausherren sammelten selbst in Unterzahl noch einmal alle Kräfte und kamen 65 Sekunden vor dem Ende dem Wölfetor gefährlich nahe, so dass Kilian Glück ein Foulspiel in Kauf nehmen musste, um den möglichen Ausgleich zu verhindern. Wild Boys Coach Torsten Buschmann reagierte sofort, nahm eine Auszeit und danach seinen Torhüter für einen fünften Feldspieler vom Eis. Doch das Glück war weiter auf Seiten der Wölfe, denn nach einem Bullygewinn im eigenen Drittel marschierte Miroslav Jenka auf und davon und bediente seinen Sturmpartner Petr Kukla, welcher wenig Mühe hatte, die Scheibe zum 5:3 ins verwaiste Chemnitzer Gehäuse zu befördern. Beim anschließenden Anspiel im Mittelkreis traf ERV-Kapitän Tobias Rentzsch den Hauptschiedsrichter mit seinem Schläger im unteren Bauchbereich und kassierte dafür eine Matchstrafe. Der Unmut machte sich auf den Rängen und der Chemnitzer Spielerbank nun weiter breit und es flogen Trinkflaschen und Becher auf das Eis. Erst nach längerer Unterbrechung konnten die verbleibenden 34 Sekunden bis zur Schlusssirene heruntergespielt werden.

 

Trotz des Derbysieges bleibt ein fader Beigeschmack, welchen aber am allerwenigsten die Wölfe zu verantworten haben. Denn diese müssen nach der Partie mit Christian Müller und Sebastian Modes selbst zwei Spieler mit Verletzungen im Krankenhaus beklagen, sind aber ähnlicher Meinung wie die Chemnitzer, dass insgesamt gesehen, die teilweise schwache Schiedsrichterleistung maßgeblichen Anteil daran hatte, das ein eigentlich faires und spannendes Derby in den Schlussminuten völlig aus den Fugen geriet.

 

Statistik:

 

Tore:

 

1:0 G. Albrecht (Stiegler) 14:56 5-4

2:0 Vymazal (Rentzsch) 21:37

2:1 Seidl (Kukla, Michel) 29:24 5-4

2:2 Jenka (Kukla, Geier) 35:51

3:2 Rentzsch (Uhlig) 43:56 5-4

3:3 Kukla 49:31

3:4 Geier (Jenka, Kukla) 53:49

3:5 Kukla (Jenka) 59:25 ENG

 

Strafen:

ERV 17  + 10 (Schäfer) + 20 (Spieldauer Brenninger) + 20 (Spieldauer Vymazal) + 10 (Uhlig) + 25 (Matchstrafe Rentzsch)  -  EHV 20

 

Zuschauer: 787